Bericht zur Informationsreise der IAKS Sektion Schweiz nach Kopenhagen

Die IAKS Sektion Schweiz führte am 15. und 16. Juni 2016 eine Informationsreise in die dänische Metropole Kopenhagen durch. Roger Gut, Präsident der IAKS Sektion Schweiz, konnte dabei 15 Teilnehmer, wovon zwei aus Salzburg anreisten, begrüssen. Roger Gut wurde tatkräftig vom Lars Baerentzen, Bereichsleiter der dänischen Stiftung für Kultur- und Sportinfrastrukturen unterstützt, welcher insbesondere die Besichtigungen, geführt durch Betreiber oder Architekten organisierte.

Ab dem Treffpunkt der Gruppe am Flughafen Kopenhagen, übernahm Lars Baerentzen die Leitung und führte uns in das nahe gelegene Kastrup Seebad. Dort führte uns dessen Architekt in eine fast mystische Rondelle inmitten des Meeres, welche von Badegästen trotz morgendlichen Wassertemperaturen von 16°-17° rege genutzt wird. Die vielen Nischen auf der Plattform laden zum Verweilen ein, Treppen führen zu Sprungmöglichkeiten und Holzwände bieten Windschutz. Die Anlage ist Teil einer neu gestalteten Strandlandschaft, die sich über einige Kilometer mit Velowegen, Bars, Restaurants, Kinderspielplätzen, Segelhafen und grüner Dünenlandschaft hinzieht. Die in die Landschaft integrierten, hindernissfreien Toilettenanlagen, Umkleideräume und Zugänge ins Meer ergänzen die Anlage.

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Im Anschluss folgte die Führung durch die Kletterhalle Blocs & Walls in einer ehemaligen Werfthalle, welche mit einem 10-jährigen Mietvertrag ausgerüstet, ein grosses Risiko auf sich nimmt. Das Konzept mit vielen Klettermöglichkeiten für verschiedene Leistungsniveaus, auch ausgelegt für Wettkämpfe, schafft im Innenraum zudem Flächen für die Begegnung. Ein Thema welches uns die zwei Tage in Kopenhagen noch häufiger beschäftigt hat. Dank eines namhaften Beitrages seitens der dänischen Stiftung, konnte das Vorhaben der Anlage ermöglicht und der Betrieb mittels viel Freiwilligenarbeit sichergestellt werden.

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Weiter folgte die Fahrt ins Stadtzentrum zum Mittagslunch in einem Restaurant, nahe dem Harbour Bath. Während der Vorbeifahrt sahen wir die äusserst imposante Baustelle der neuen Kehrichtverbrennungsanlage, deren immense Höhe zukünftig als Skipiste mit Bürstenteppichbelag und weiteren Sportattraktionen genutzt werden wird. Vom Architekten des Harbour Bath wurde uns die ins Hafenbecken eingebaute Freibadanlage im Detail erklärt. Kopfzerbrechen bieten dem Betrieb die Sicherheit der Badenden, sowie die Algenbildung in den beiden Nichtschwimmerbereichen. Ersteres führte nach einem Todesfall zu einer vorübergehenden, totalen Einzäunung der Anlage. Trotz rauer Wassertemperaturen konnten wir wä-hrend der Mittagspause die emsige Nutzung der Anlage durch diverse Schulklassen und Bewohner feststellen. Das Bad liegt direkt neben der angrenzenden Wohnzone und dem auf der gegenüberliegenden Flussseite befindlichen Geschäftsviertel.

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Zu Fuss ging es mit demselben Architekten über die Brücke zum gegenüberliegenden, im Wasser stehenden, Freizeitbereich Kalvebod Waves. Eine wellenförmige Wegführung aus Holz und Beton lädt dort zum Sitzen und Verweilen oder dem Mittagslunch sowie einer Arbeitspause ein. Im Innenbereich sind Einrichtungen für den Paddelbootsport realisiert, was der Anlage auch einen sportlichen Charakter verleiht. Während den heissen Sommertagen gehört auch der Sprung ins Wasser zu den Möglichkeiten in diesem Areal. Die am Ufer gebauten neuen Geschäftshäuser haben so einen neuen «Vorgarten» im Wasser erhalten. Was in der Projektphase noch grosse Ablehnung erfahren hatte, ist nun das Highlight einer direkt dahinter gebauten dänischen Grossbank.

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Als Abschluss der Besichtigungen führte uns ein kleiner Spaziergang an der neuen imposanten von Henning Larsen entworfen Oper vorbei und endete in einer ehemaligen Bootswerfthalle, wo heute die Danish Foundation for Culture and Sport Facilities ihre Arbeitsräume hat. Diese Stiftung ist der Motor und Sponsor für sämtliche, für unsere Begriffe fast unmöglich scheinenden Bauten und Anlagen im Bereich des Sports, der Freizeit und der Gesellschaft dienenden Begegnungsorte. Die Finanzierung erfolgt über Sporttotogelder, wobei hauptsächlich spezielle Anlagen und Bauten gefördert werden. Die Mitarbeiter helfen aktiv den Planern und Bauherren in der Entwicklung ihrer Projekte, mit dem Ziel herausragende und der Bevölkerung dienende Anlagen zu entwickeln.

Nach diesem intensiven, ersten Tag ging es ins Hotel. Das nach dem EM-Spiel Schweiz – Rumänien angesagte Abendprogramm, führte uns zum gemeinsamen Abendessen ins Restaurant Höst, wo uns ein dänisches Gourmetmenü serviert wurde. Der gesellschaftliche Teil endete mit einem abendlichen Spaziergang zurück ins Hotel.

Der zweite Tag begann mit einer Führung durch das Sjakket Youth Center, einer umgenutzten, alten Busgarage. Der Betreiber führte uns ins Konzept, eines in einem Migrationsquartier gelegenem Jugendzentrum ein. Die vielfältigen Angebote mit kleiner Turnhalle, Gymnastik- und Boxraum, Gemeinschaftsküche, Aufenthalts- und Begegnungsräumen, Musikstudio, Internetraum sowie Spielraum dienen in erster Linie der Integration der Jugendlichen, mit Einbezug der Eltern.

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Anschliessend folgte ein durch die Architekten geführter Rundgang durch die über ein Kilometer lange Begegnungs- und Bewegungsanlage Superkilen. Drei farblich unterschiedliche Abschnitte bieten den bunt gemischten Nutzern einen ebenso bunten Teppich, wie eine Vielzahl von Atmosphären und Nutzungsmöglichkeiten. Dies ist ein Quartierintegrationsprojekt mit Einbezug der 57 Nationen, welche in diesem Quartier leben. Wir erfahren, dass die Anlage von früh bis spät genutzt wird und dennoch kaum Vandalismus vorhanden ist, weil das Projekt aus der Bevölkerung für die Bevölkerung realisiert wurde. Jede der 57 Nationen hat sich in Form eines Ausstattungsgegenstands, wie Sitzbänke, Spielgeräte, Grill, Spieltische und vieles mehr als Spender mitbeteiligt. Einfach eine super Sache, welche zu Nachahmung ruft.

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Das Mittagessen fand in den am Rande der Superkilenanlage befindlichen, ehemaligen Räumen des Tramdepots statt, woraus heute eine grosse Eventhalle und eine Sporthalle entstanden ist.

Frisch gestärkt folgte der Besuch der Gyngemosehallen, einem Neubau in einem Wohnquartier am Stadtrand. Der verantwortliche Betreiber zeigte uns die vielfältige Anlage, die durch ihre Nutzungsart einen Denkanstoss für Schweizer Betreiber darstellt. Wo findet man bei uns eine Gymnastikhalle mit Kunstturnmöglichkeiten, Kraftraum, Spielraum und Bewegungshalle, welche fast den ganzen Tag, nämlich von 05.00 Uhr bis 24.00 Uhr offensteht. Mit der Einschreibung erhält der Besucher einen Badge und ist selbst für den ordnungsgemässen Gebrauch verantwortlich. Tagsüber steht die Anlage den Schulen zur Verfügung, anschliessend erfolgt eine Nutzung durch die Tagesstrukturen und abends sind Vereine darin aktiv.

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Die Reise führte uns weiter zu einem spannenden Integrationsprojekt, dem StreetMekka in einer alten Industriehalle, welche zu einer Veranstaltungshalle mit Street Basketball, Tanz, Fussball und Strassensport umgenutzt wurde. Die Vision von StreetMekka ist, die Jugend auf lokaler und globaler Ebene zu stärken, Konflikte zu verhindern und dem Bemühen, Jugendliche aus Minderheiten in die Gesellschaft zu integrieren. Das Konzept ist offen, lässt neue Nutzungen zu und wird durch junge Begleitpersonen geführt, was dem Zugang zu den Jugendlichen förderlich ist. Am nächsten Tag wurde die Anlage durch den amerikanischen Aussenminister John Kerry besucht, was das grosse Interesse an diesem Konzept aufzeigt.

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Zum Abschluss stand der Besuch von The Prism an. Eine Sporthalle mit Anbau an alte Wohnhäuser, erstellt als transluzente Konstruktion. Die Polycarbonatplatten bilden einen Kontrast zu den umliegenden Gebäuden, sind aber in thermischer Hinsicht sowohl im Winter als auch im Sommer nicht unproblematisch. Danach trat die Gruppe ihren Rückflug nach Zürich an oder verlängerte den Besuch eigenständig in Kopenhagen.

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Die Teilnehmer waren von der Reise sehr überzeugt. Das Spektrum der besichtigten Anlagen zeigte die Innovation und den Einfallsreichtum, es müssen nicht immer die klassischen Sportanlagen sein. Sicherlich lassen sich nicht alle Ideen bei uns realisieren, sind aber wertvolle Denkanstösse. So vermittelte die Reise interessante Blicke über den Tellerrand, die jeweils zu regen Diskussionen untereinander führten und zu neuen Ideen weitergesponnen wurden.

Roger Gut, 11.07.2016